Auktion: 12 Tage
Stand 11.06.2026
Rechts unten signiert „GROSZ“; verso Nachlassstempel mit handschriftlicher Nummerierung und Etikett des Buch- und Kunstantiquariats E+R Kistner, Nürnberg.
Unter Passepartout, hinter Glas gerahmt.
Das Werk aus der Serie „Stick Men“ gehört zu den eindringlichsten späten Bildfindungen des Künstlers. Die nach dem Zweiten Weltkrieg entstandene Werkgruppe wird vielfach als Warnung vor einem erneuten globalen Konflikt gelesen – eine Mahnung, deren beklemmende Aktualität heute stärker spürbar ist denn je. Drei aufrecht stehende „Stick Men“ – reduzierte, oft kantige oder puppenhafte „Strichfiguren“ mit weit aufgerissenen Augen – dienten George Grosz dazu, Menschen nicht individuell, sondern als Sinnbilder für Korruption, Militarismus oder gesellschaftlichen Verfall zu zeigen.
In unterschiedlichen Dimensionen staffeln sie sich zwischen Vorder- und Hintergrund und bewegen sich mit ausgestreckten Armen und zeigenden Fingern auf ein undefiniertes Ziel zu. Besonders die leuchtenden, kontrastreichen Farben erinnern an das Werk „Der Feind des Regenbogens“ von 1946 (Sammlung Judin, Berlin), in dem Grosz intensive Rot-, Gelb-, Grün- und Blautöne einsetzt. Die Farben wirken dabei nicht harmonisch, sondern steigern die nervöse Dynamik der Figuren und unterstreichen deren innere Zerrissenheit sowie die gesellschaftliche Unsicherheit der Nachkriegszeit.
Die Serie „Stick Men“ wurde international in bedeutenden Ausstellungen präsentiert und ist heute in namhaften Sammlungen vertreten, darunter im Das Kleine Grosz Museum sowie im Heckscher Museum of Art. Vergleichbare Werke finden sich im unten genannten Katalog, siehe etwa Abb. 1 „The Enemy of the Rainbow“, 1946, oder „They Found Something“, um 1948.
Provenienz:
Bedeutende süddeutsche Privatsammlung.
Literatur:
Vgl. Heather Arnet und Ralf Kemper (Vorwort), George Grosz. The stick men, Ausstellungskatalog (Das kleine Grosz Museum, Berlin, 25. Mai – 30. Oktober 2023 und Heckscher Museum, Huntington, NY, 11. Mai – 01. September 2024), Köln 2023. (14817916) (14)
George Grosz,
also known as “Georg Ehrenfried Groß”,
1893 Berlin – 1959 ibid.
DIE GRAUEN MÄNNCHEN, Ca. 1947
Watercolour and ink on paper.
46.5 x 35 cm.
Signed “GROSZ” at lower right; estate stamp with handwritten numbering and label of the book and art antiquarian E. & R. Kistner, Nuremberg on the reverse.
George Grosz’s Stickmen series is among the artist’s most powerful late works. Created after World War II, this group of works is often interpreted as a warning against renewed global conflict and retains a disturbing relevance today. The vaguely simplified figures appear both anonymous and universal – symbols of an uncertain post-war society. The Stickmen series has been presented internationally in major exhibitions and is held in renowned collections, including the Kleine Grosz Museum (Berlin) and the Heckscher Museum of Art (New York).
Provenance:
Important private collection, southern Germany.
Literature:
cf. Heather Arnet and Ralf Kemper (Foreword), George Grosz. The Stick Men, exhibition catalogue (Das kleine Grosz Museum, Berlin, 25 May – 30 October 2023 and Heckscher Museum, Huntington, NY, 11 May – 1 September 2024), Cologne 2023.