Auktion: 12 Tage
Stand 11.06.2026
Tiefe: 20,2 cm.
Erhabene Signatur auf der ovalen Plinthe.
Ausführung ca. 1942-50.
Bronze, Guss im Wachsausschmelzverfahren, brüniert. Eine von sieben Gussausführungen, von denen sich ein Exemplar im Museum of Art in Philadelphia befindet. Die Skulptur drückt in expressiver Gestaltung die Tragik von Vertreibung und Flucht aus: eilige Bewegung, hilferingend erhobene Arme, umklammerndes Verschmelzen zweier aus dem Gleichgewicht geratenen Figuren. Eine derartige Umsetzung ins Plastische konnte nur aus Erfahrungen eines Künstlers entstehen, der solches Schicksal selbst erlitt.
Der im heutigen Litauen geborene Bildhauer gilt als bedeutender französisch-amerikanischer Künstler des 20. Jahrhunderts. Bereits 18-jährig nach Paris gekommen, studierte er an der École nationale supérieure des beaux-arts und an der Académie Julian. In Paris lernte er Georges Braque (1882–1963), Juan Gris (1887–1927) und Pablo Picasso (1881–1973) kennen und stellte ab 1912 regelmäßig im Salon d‘Automne sowie im Salon aus. Unter der mit Nazideutschland verbundenen Vichy-Regierung galt es für Lipchitz, wie für viele Künstler zu fliehen.1941 gelang mithilfe des Emergency Rescue Committee die Flucht nach New York. Erst 1946 kam er für einige Wochen wieder zurück nach Paris. Doch bereits 1948 wirkte er in New Harmony, Indiana an der Gestaltung eines Kirchentores, wurde US-Bürger und zog nach New York, alsbald Mitglied der American Academy of Arts and Letters. Es folgten ein Aufenthalt in Israel und 1964-66 jährliche Ausstellungen in der Marlborough-Gerson Gallery in New York. 1973 wurde er als auswärtiges Mitglied in die Académie des Beaux-Arts aufgenommen wurde. Er wurde in Jerusalem beigesetzt.
Sein Werk, anfänglich durch Picasso und Diego Rivera (1886–1957) beeinflusst, lässt ab 1913 den Kubismus erkennen, 1919 entstanden Arbeiten, die in kantigen Linien eine innere Unruhe zeigten, abgelöst von freier modellierten Formen, die etwa in seiner Skulptur „Hohenlied“ zum Ausdruck kommen. Er war 1952 Teilnehmer der Biennale Venedig sowie 1959 an der documenta II. Seine Werke finden sich u. a. im Solomon R. Guggenheim Museum, New York; im Centre Pompidou und im Musée National d‘Art Moderne, Paris; im Philadelphia Museum of Art; oder im Kunstpalast, Düsseldorf.
Literatur:
Vgl. Henry Radford Hope, The sculpture of Jacques Lipchitz, New York 1954.
Vgl. Bernard Blistène (Hrsg.), Rendezvous. Masterpieces from the Centre Georges Pompidou and the Guggenheim Museums, Ausstellungskatalog (Solomon R. Guggenheim Museum, New York, 16. Oktober 1998 – 24. Januar 1999), New York 1998. A.R. (1481568) (11)
Jacques Lipchitz,
also known as “Chaim Jacob Lipchitz”,
1891 Druskininkai, present-day Lithuania – 1973 Capri
LA FUITE (THE ESCAPE)
Height: 36.4 cm.
Width: 34 cm.
Depth: 20.2 cm.
Raised signature on the oval plinth.
Executed ca. 1942–50.
Bronze, lost-wax casting, burnished. One of seven cast versions, one of which is held in the Philadelphia Museum of Art.
Literature:
cf. Henry Radford Hope, The sculpture of Jacques Lipchitz, New York 1954.
cf. Bernard Blistène (ed.), Rendezvous. Masterpieces from the Centre Georges Pompidou and the Guggenheim Museums, exhibition catalogue, Solomon R. Guggenheim Museum, New York, 16 October 1998 – 24 January 1999, New York 1998.