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Lot 647

DAS LIEBLINGSPLÄTZCHEN – RAST AUF DEM WEINBERG, AUCH: FRIEDLICHER ABEND, 1846

  • Öl auf Leinwand.
Schätzpreis:

€ 50.000 - 70.000

Auktion: 13 Tage

Stand 10.09.2026

Rahmenmaß: 64 x 57 cm.
Rechts unten Rhombussignatur.
Verso auf der Leinwand „Spitzweg pxt. /Monachii 1846“ von der Hand Spitzwegs.
Auf dem Keilrahmen Klebezettel „Linznr. 1384“.

Spitzweg, der unbestritten als einer der bedeutendsten Künstlererscheinungen des 19. Jahrhunderts in der Malerei gilt, hinterließ ein umfangreiches Werk von über 1500 Gemälden und Zeichnungen. Im Gegensatz zu den Malerkollegen seiner Zeit schuf er Werke, die zwar der Spätromantik zugerechnet werden, allerdings durch charmanten Witz und Hintergründigkeit die „Romantik“ bereits desavouierte, ähnlich wie in der Literatur der nur wenig ältere Heinrich Heine. Zu Lebzeiten hätte er nach eigenen Aussagen von seinen Bildern kaum leben können: „..., wenn ich von der Malerey leben müsste, ging mirs schlecht“ schrieb er 1836 an seinen Bruder. Doch das elterliche Erbe erlaubte ihm eine künstlerische Freiheit, die seine oft ironischen Bilder der Gesellschaft seiner Zeit ermöglichte. Als Autodidakt unternahm er Reisen nach Dalmatien, Venedig, Paris, London, Antwerpen, Frankfurt und Heidelberg. Einige wenige Eindrücke von dort hat er in seinem Werk hinterlassen. Die spätbiedermeierliche Kleinstadtidylle mit seinem Bürger- und Spießbürgertum hat er unübertrefflich pointiert. Als er 1865 den bayerischen Michaelsorden erhielt, verfasste er darüber ein heiteres Spottgedicht über den Neid seiner Zeitgenossen.

Wie zu vielen seiner Bilder, hat Spitzweg auch hier Variationen geschaffen. Auf einer von der Abendsonne beschienenen Anhöhe, mit Weitblick über das Maintal, genießt ein Herr mit Schildmütze, in langem schwarzem Mantel mit langer Pfeife geruhsam den friedlichen Abend. Im Tal stehen die Häuser, Türme und Spitzdächer eines fränkischen Städtchens dicht gedrängt, bereits im Schatten. Das Bild ist unter dem Eindruck einer Reise Spitzwegs in die Gegend von Würzburg entstanden.

Das Gemälde ist neben den beiden bekannten Varianten des Themas das früheste Werk. Bei Wichmann (WVZ 573) ist ein etwas späteres ganzseitig farbig abgebildet. Im Unterschied dazu ist im vorliegenden Gemälde der Abend etwas weiter fortgeschritten, das Städtchen mehr verschattet, die Häuser etwas anders gruppiert, der Kirchturm ragt hier mit seiner Spitze ins Abendrot. Auch der heraufziehende Feldweg und die Rebstöcke rechts sind weniger beleuchtet. Der Main im Hintergrund im Dunst. Das im WVZ aufgeführte Vergleichsbild stammt aus der Sammlung von Carlos Fürst Auersperg, der mehrere Werke Spitzwegs erworben hatte. Das WVZ nennt noch zwei weitere Fassungen, sowie eine Vorzeichnung um 1845, in der Nationalgalerie Berlin. Das Gemälde ist auf der Leinwandrückseite – von der Hand Spitzwegs beschriftet: „Spitzweg pxt. /Monachii 1846“. Diese Datierung bedeutet, dass es sich bei dem vorliegenden Gemälde um das Erstgeschaffene dieses Themas handelt, also zwischen der Vorzeichnung von 1845 und den genannten weiteren Variationen von 1846 ff.

Provenienz laut Deutsches Historisches Museum (Datenblatt LI001391) und Munich Central Collection Point (MCCP) Karte:
Kunsthändler Hans W. Lange, Berlin.
Dort durch Maria Almas-Dietrich für RM 40.000 erworben, am 31. Januar 1941.
Einlieferung zum Sonderauftrag Linz durch Maria Almas-Dietrich in Jahr 1941.
Ankunft beim MCCP am 29. Juni 1945.
Transfer von „216“ nach „U 11/Sog.6.“ am 2. April 1947 [laut MCCP-Karte].
Ausgabe vom MCCP an „Germany Ministerpräsident“ am 10. Juni 1949.
Laut Aussage Paul Heinemann soll das Gemälde in Kommission bei Heinemann in Berlin aus der Sammlung Schlesinger gewesen sein: Juni 1951.
Wohl Transfer nach Salzburg am 18. Januar 1952.
Restitution: Österreich (1952 abgegeben, Bundesdenkmalamt) [Laut DHM Datenblatt LI001391].

Literatur:
Vgl. Hermann Uhde-Bernays, Carl Spitzweg. Des Meisters Leben und Werk. Seine Bedeutung in der Geschichte der Muenchener Kunst, München 1913 (erste kunsthistorische Monographie zu Spitzweg, die zur Grundlage seiner breiten Anerkennung wurde).
Vgl. Günther Ronnefahrt, Carl Spitzweg. Beschreibendes Verzeichnis seiner Gemälde, Ölstudien und Aquarelle, München 1960.
Vgl. Siegfried Wichmann, Carl Spitzweg. Abendfriede. Dokumentation, Starnberg-München 1995, Bayer. Staatsbibliothek München.
Vgl. Siegfried Wichmann, Carl Spitzweg. Verzeichnis der Werke. Gemälde und Aquarelle, Stuttgart 2002, Nr. 573-575.
Vgl. Siegfried Wichmann und Christa Habrich, Carl Spitzweg. Der Maler und Apotheker. Natur und Naturwissenschaft in seinem Werk. Zur Ausstellung im Deutschen Medizinhistorischen Museum Ingolstadt, Stuttgart 2003. A.R. (1481797)



Carl Spitzweg,
1808 Munich – 1885 ibid.

THE FAVORITE SPOT – REST IN THE VINEYARD, ALSO KNOWN AS “PEACEFUL EVENING,” 1846

Oil on canvas.
38.5 x 31 cm.
Diamond-shaped signature lower right.
On the reverse of the canvas, “Spitzweg pxt. / Monachii 1846” in Spitzweg’s own hand.
On the stretcher, an adhesive label reading “Linznr. 1384.”

As with many of his paintings, Spitzweg produced variations on this subject too. This painting is the earliest work on the subject, alongside the two other known variations. Wichmann (Catalogue raisonné no. 573) features a slightly later version reproduced in full colour. In contrast, in this painting the evening is somewhat further advanced, the little town is more shaded, the houses are grouped slightly differently, and the church tower rises here with its spire against the evening glow. The winding country lane and the vines on the right are also less illuminated. The River Main is shrouded in mist in the background. The comparative painting listed in the catalogue raisonné comes from the collection of Carlos Fürst Auersperg, who had acquired several works by Spitzweg. The catalogue raisonné also mentions two further versions, as well as a preparatory sketch from around 1845, held in the Nationalgalerie in Berlin. Our painting bears an inscription on the reverse of the canvas, in Spitzweg’s own hand: “Spitzweg pxt. /Monachii 1846”. This dating indicates that the present painting is the first to have been created on this theme, i.e. between the preliminary sketch of 1845 and the other variations mentioned from 1846 onwards.

Provenance according to the German Historical Museum (data sheet LI001391) and the Munich Central Collection Point (MCCP) card:
Art dealer Hans W. Lange, Berlin.
Purchased there by Maria Almas-Dietrich for RM 40,000 on 31 January 1941.
Submitted to the Linz Special Commission by Maria Almas-Dietrich in 1941.
Arrived at the MCCP on 29 June 1945.
Transferred from “216” to “U 11/Sog.6.” on 2 April 1947 [according to the MCCP card].
Issued by the MCCP to the German Minister-President on 10 June 1949.
According to Paul Heinemann’s statement, the painting was reportedly on consignment at Heinemann’s in Berlin from the Schlesinger Collection: June 1951.
Presumably transferred to Salzburg on 18 January 1952.
Restitution: Austria (handed over in 1952, Federal Monuments Office) [according to DHM data sheet LI001391].

Literature:
cf. Hermann Uhde-Bernays, Carl Spitzweg. Des Meisters Leben und Werk. Seine Bedeutung in der Geschichte der Muenchener Kunst, Munich 1913 (the first art-historical monograph on Spitzweg, which laid the foundations for his widespread recognition).
cf. Günther Ronnefahrt, Carl Spitzweg. Beschreibendes Verzeichnis seiner Gemälde, Ölstudien und Aquarelle, Munich 1960.
cf. Siegfried Wichmann, Carl Spitzweg. Abendfriede. Dokumentation, Starnberg-Munich 1995, Bayer. Staatsbibliothek, Munich.
cf. Siegfried Wichmann, Carl Spitzweg. Verzeichnis der Werke. Gemälde und Aquarelle, Stuttgart 2002, nos. 573–575.
cf. Siegfried Wichmann and Christa Habrich, Carl Spitzweg. Der Maler und Apotheker. Natur und Naturwissenschaft in seinem Werk, Accompanying the exhibition at Deutsches Medizinhistorisches Museum, Ingolstadt, Stuttgart 2003.

Hampel Fine Art Auctions

Ort: Munich
  • Auktion : 24.09.2026 14:00 Uhr
  • Auktionsnummer: 149
  • Auktionsname: Gemälde 19./ 20. Jahrhundert

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