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Lot 648

SENNERIN UND KNABE IM HOCHGEBIRGE

  • Öl auf Leinwand, auf Holz.
Schätzpreis:

€ 15.000 - 25.000

Auktion: 13 Tage

Stand 10.09.2026

Rechts unten Rhombussignatur. Verso gestempelt „Eigentum der / Bundesrepublik Deutschland“, sowie Aufkleber mit der Nummer 659.

Spitzweg, der unbestritten als einer der bedeutendsten Künstlererscheinungen des 19. Jahrhunderts in der Malerei gilt, hinterließ ein umfangreiches Werk von über 1500 Gemälden und Zeichnungen. Im Gegensatz zu den Malerkollegen seiner Zeit schuf er Werke, die zwar der Spätromantik zugerechnet werden, allerdings durch charmanten Witz und Hintergründigkeit die „Romantik“ bereits desavouierte, ähnlich wie in der Literatur der nur wenig ältere Heinrich Heine. Zu Lebzeiten hätte er nach eigenen Aussagen von seinen Bildern kaum leben können: „...wenn ich von der Malerey leben müsste, ging mirs schlecht“ schrieb er 1836 an seinen Bruder. Doch das elterliche Erbe erlaubte ihm eine künstlerische Freiheit, die seine oft ironischen Bilder der Gesellschaft seiner Zeit ermöglichte. Als Autodidakt unternahm er Reisen nach Dalmatien, Venedig, Paris, London, Antwerpen, Frankfurt und Heidelberg. Einige wenige Eindrücke von dort hat er in seinem Werk hinterlassen. Die spätbiedermeierliche Kleinstadtidylle mit seinem Bürger- und Spießbürgertum hat er unübertrefflich pointiert. Als er 1865 den bayerischen Michaelsorden erhielt, verfasste er darüber ein heiteres Spottgedicht über den Neid seiner Zeitgenossen.

Für das vorliegende Gemälde hat Spitzweg ein extremes Hochformat gewählt. Ein Kunstgriff, der vor allem bei Ansichten enger, hoher Gassen oder Schluchten die Wirkung steigert, oder wie hier einer Talenge zwischen seitlichen Felsen mit im Hintergrund sich auftürmenden Gipfeln. Die dagegen klein wiedergegebenen Staffagefiguren lassen die Höhendimensionen umso eindrucksvoller wahrnehmen. Vergleichbare Ansichten finden sich in seinem Werk öfter, so etwa: „Im Hochgebirge – Sennerin mit Kind auf dem Pfad“ (um 1875), „In der Felsenschlucht“ (1875/80), oder „Heuernte im Gebirge“ (um 1855, WVZ 1470). Sehr ähnlich ist auch die Darstellung „Zwei Mädchen im Laubwald“ (um 1879, WVZ 1049). Eine vergleichbare Felsenspitze zeigt „Adlerjäger in der Schlucht“ (1865–70, WVZ 1135).

Provenienz nach Auskunft der Kunstverwaltung des Bundes:
Münchener Kunsthandel. [Laut Spitzweg-WVZ von Günther Roennefahrt (1960, Nr. 106)]
Berliner Privatbesitz (1930–33). [Laut Spitzweg-WVZ von Günther Roennefahrt (1960, Nr. 106)]
Münchener Privatbesitz. [Laut Spitzweg-WVZ von Günther Roennefahrt (1960, Nr. 106)]
„Sonderauftrag Linz“, Inv.Nr. 659 (die Inventarnummer lege nahe, dass das Werk zwischen Februar und Mai 1939 in den Bestand gelangte, es ist jedoch spätestens für August 1940 im Bestand belegt).
Während des Zweiten Weltkriegs im Salzbergwerk Altaussee in Österreich ausgelagert.
Dort von amerikanischen Streitkräften sichergestellt und am 18.10.1945 in den Central Collecting Point (CCP) nach München überführt (Inv.Nr. 10520).
Am 10.06.1949 von der amerikanischen Militärregierung in die Treuhänderschaft des Bayerischen Ministerpräsidenten übergeben.
Von dort 1952 treuhänderisch an die bundesdeutsche Treuhandverwaltung von Kulturgut.
1960 als ehemaliges Reichsvermögen in Bundesvermögen übergegangen.
Von der BRD bei Neumeister in München zur Versteigerung eingeliefert: 26.06.1996 und am 04.12.1996, bei der Dezember-Auktion verkauft.

Literatur zum Künstler (Auswahl):
Hermann Uhde-Bernays, Carl Spitzweg. Des Meisters Leben und Werk. Seine Bedeutung in der Geschichte der Muenchener Kunst, München 1913 (erste kunsthistorische Monographie zu Spitzweg, die zur Grundlage seiner breiten Anerkennung wurde).
Siegfried Wichmann, Carl Spitzweg. Verzeichnis der Werke. Gemälde und Aquarelle, Stuttgart 2002.
Siegfried Wichmann und Christa Habrich, Carl Spitzweg. Der Maler und Apotheker. Natur und Naturwissenschaft in seinem Werk. Zur Ausstellung im Deutschen Medizinhistorischen Museum Ingolstadt, Stuttgart 2003. A.R. (1481798) (11)



Carl Spitzweg,
1808 Munich – 1885 ibid.

ALPINE HERDSWOMAN AND BOY IN THE HIGH MOUNTAINS

Oil on canvas, laid on panel.
35.8 x 18 cm.
Signed with the artist’s rhombus monogram lower right. Verso stamped “Eigentum der / Bundesrepublik Deutschland” [Property of the Federal Republic of Germany], and with a label bearing no. 659.

Comparable views occur frequently in his oeuvre, including In the High Mountains – Cowherd Girl with Child on the Path (ca. 1875), In the Rocky Gorge (1875/80), and Haymaking in the Mountains (circa 1855, cat. rais. no. 1470). The composition Two Girls in a Deciduous Forest (ca. 1879, cat. rais. no. 1049) is also closely comparable. A similar rocky peak appears in Eagle Hunter in the Gorge (1865–70, cat. rais. no. 1135).

Provenance, according to information provided by the German Federal Art Administration:
Munich art market. [According to Günther Roennefahrt’s Spitzweg catalogue raisonné, 1960, no. 106.]
Private collection, Berlin, 1930–33. [According to Günther Roennefahrt’s Spitzweg catalogue raisonné, 1960, no. 106.]
Private collection, Munich. [According to Günther Roennefahrt’s Spitzweg catalogue raisonné, 1960, no. 106.]
“Sonderauftrag Linz”, inv. no. 659 (the inventory number suggests that the work entered the collection between February and May 1939; it is, however, documented there by August 1940 at the latest).
During the Second World War, the work was transferred for safekeeping to the Altaussee salt mine in Austria.
There it was recovered by American forces and transferred on 18 October 1945 to the Munich Central Collecting Point (MCCP), where it was registered under inv. no. 10520.
On 10 June 1949, the work was transferred by the U.S. Military Government into the trusteeship of the Bavarian Minister-President.
In 1952, it was transferred in trust to the Trust Administration for Cultural Assets (Treuhandverwaltung von Kulturgut, TVK).
In 1960, the work, as former property of the German Reich, passed into the ownership of the Federal Republic of Germany.
It was subsequently consigned by the Federal Republic of Germany for auction at Neumeister, Munich, on 26 June 1996 and again on 4 December 1996; it was sold at the latter sale.

Selected literature on the artist:
Hermann Uhde-Bernays, Carl Spitzweg. Des Meisters Leben und Werk. Seine Bedeutung in der Geschichte der Münchener Kunst, Munich 1913 (the first art-historical monograph on Spitzweg and an important foundation for the artist’s broader recognition).
Siegfried Wichmann, Carl Spitzweg. Verzeichnis der Werke. Gemälde und Aquarelle, Stuttgart 2002.
Siegfried Wichmann and Christa Habrich, Carl Spitzweg. Der Maler und Apotheker. Natur und Naturwissenschaft in seinem Werk, exhibition catalogue, Deutsches Medizinhistorisches Museum Ingolstadt, Stuttgart 2003.

Hampel Fine Art Auctions

Ort: Munich
  • Auktion : 24.09.2026 14:00 Uhr
  • Auktionsnummer: 149
  • Auktionsname: Gemälde 19./ 20. Jahrhundert

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