Auktion: 13 Tage
Stand 10.09.2026
Verso auf altem Papieretikett in Tinte „View of Venice: J. M. W. Turner R: A., Born 1775, Died 1851, English school“.
In vergoldetem Profilrahmen.
Es gibt Städte, die sich wie ein Gedicht in die Erinnerung einbrennen. Venedig ist eine davon – und William Turner hat sie in Farben gefasst, die den Betrachter bis heute verzaubern. Seine Venedig-Bilder sind keine bloßen Abbildungen, sondern Hymnen an die flüchtige Schönheit der Lagunenstadt: ein Spiel aus goldenen Reflexen auf dem Wasser, schwebenden Palästen und einem Himmel, der zwischen zartem Rosa und dramatischem Blau changiert. Turner erfasste Venedig nicht als statische Architektur, sondern als lebendigen Organismus, der sich im Licht auflöst und neu formt. In Werken wie „Der Dogenpalast, Venedig“ (1844) oder „Venedig: Der Canal Grande“ (1835) verschmelzen Realität und Traum. Die Pinselstriche wirken fast flüchtig, als hätte der Künstler die flirrende Hitze und die feuchte Luft der Lagune direkt auf die Leinwand gebannt. Seine Palette – von leuchtendem Gelb über tiefes Ultramarin bis zu zarten Pastelltönen – lässt die Stadt in einem magischen Dämmerlicht erstrahlen, als wäre sie aus dem Nichts erschaffen. Was Turners Venedig so einzigartig macht, ist seine Fähigkeit, das Unsichtbare sichtbar zu machen: das Flüstern der Wellen, das Glitzern der Gondelruder, den Duft von Salz und Algen, das Verschwimmen der Architekturkonturen mit dem dunstigen Himmel. In einer Zeit, in der die Industrialisierung die Welt veränderte, blieb Venedig für Turner ein Ort der Poesie, ein Refugium der Schönheit.
In unserem Bild zeichnet sich die Kuppel einer Kirche sanft im dunstigen Licht ab. Davor überspannt eine Brücke den Kanal, durch deren Öffnung das Licht auf das ruhige Wasser fällt und reflektiert wird. Im linken Vordergrund zahlreiche bei ihrem Tagwerk beschäftigte Figuren vor angrenzenden Häusern mit den regional typischen Schornsteinen. Vergleichbare Lichtreflexe finden sich etwa in Turners Ölgemälde „Venice, from the Porch of Madonna della Salute“ im Metropolitan Museum of Art von etwa 1835 (Inv.Nr. 99.31) sowie in seiner Ansicht der Seufzerbrücke in der Tate Britain.
Provenienz:
Aus Londoner Kunstsammlung. (1480163) (13)
Joseph Mallord William Turner,
1775 London – 1851 ibid., circle/ follower of
VENICE IN HAZY SUMMER LIGHT
Oil on canvas.
54 x 72 cm.
Old paper label, inscribed in ink on the reverse “View of Venice: J. M. W. Turner R.A., Born 1775, Died 1851, English school”.
Similar light reflections can be found, for example, in Turner’s oil painting Venice, from the Porch of Madonna della Salute (ca. 1835, inv. no. 99.31) at the Metropolitan Museum of Art, New York, and in his painting depicting the Bridge of Sighs, Tate Britain.
Provenance:
Art collection, London.